Home Alltägliches [Gedacht] Vom Loslassen und Erinnerungen

[Gedacht] Vom Loslassen und Erinnerungen

von Kirsten

Kennt ihr dieses sentimentale Gefühl, wenn man die zu klein gewordenen Teile aussortiert? Und das kommt gerade am Anfang ja doch sehr regelmäßig vor. Kaum passt ein Teil, da wird es auch schon wieder zu klein. Meine Tochter wird größer. Täglich wächst sie Stück für Stück. Ich habe versucht, nicht zu viel zu kaufen, damit wir die Sachen, die wir haben, auch alle anziehen können. Trotzdem will man nicht täglich waschen und irgendwie passiert es dann doch, dass manche Teile nur zweimal zum Einsatz kamen.

Aussortieren ist für mich eine zwiespältige Angelegenheit. Einerseits freue ich mich sehr, dass sie wächst und gedeiht. Andererseits finde ich den Gedanken, nicht zu wissen, ob ich die kleinen Sachen nochmal einem kleinen Menschlein anziehen werde, immer etwas traurig. Egal wie groß der Wunsch nach einem zweiten Kind ist, letzten Endes weiß man nie, ob er sich erfüllen wird und lässt. Vielleicht ist es aber auch einfach dieses Bewusstsein, dass die kleine Maus so schnell groß wird. Ich versuche die Momente der ersten Zeit festzuhalten. Das Kennenlernen, das Kuscheln, diese unglaublich innige Liebe, die gefühlt jeden Tag noch ein Stück mehr wächst und das Herz zum Überlaufen bringt. 

Mit manchen Sachen verbinde ich viele Erinnerungen. So auch mit dieser Pumphose, die langsam aber sicher zu klein wird und demnächst auf dem Dachboden bei all den anderen Kleidungsstücken aus den ersten Monaten landen wird.

Noch als ich schwanger war, begann ich mich dafür zu interessieren, Kinderkleidung selber zu nähen. Irgendwie lag es damals auf der Hand, mit einer Pumphose zu beginnen. Das absolute Einsteigerstück. Mitwachsend, kuschelig und auch für einen etwas dickeren Stoffwindelpopo geeignet.
Ich weiß noch, wie ich nach einem Schnitt gesucht und mir überlegt habe, welchen Stoff und wie viel davon ich brauche. Bis zu diesem Zeitpunkt wusste ich nicht mal, was ein Bündchen ist. 😉
Gleichzeitig war da ganz viel Vorfreude auf den Moment, wenn meine Tochter sie zum ersten Mal tragen würde. Irgendwie ein Liebesbeweis an sie und das Versprechen auf sie Acht zu geben, egal in welcher Situation.

Irgendwann kam der bestellte Stoff an – ein Sweat mit Sternen (der mir live damals gar nicht so gefiel) und ich legte los. Wollte ich ursprünglich noch Dinge nähen, die nicht typisch Mädchen rufen, erledigte sich dieses Vorhaben schon beim ersten Stück. Stoff zugeschnitten, vernäht, mit den Bündchen gefummelt und schließlich stolz, die fertige Hose in den Händen zu halten.

Immer noch stolz, schickte ich meinem Mann gleich ein Foto. Seine Reaktion, als er das Teil dann abends in der Hand hielt, war aber die beste, die ich mir vorstellen konnte. „Das ist ja eine richtige Hose.“ Irgendwie war das einfach süß, denn ihn schien es zu begeistern, dass ich soetwas hinbekomme (egal wie simpel es eigentlich ist).

Als unsere Kleine dann mit 50cm und unter 3kg Geburtsgewicht bei uns war, wirkte die Hose zunächst noch recht riesig. Das Bündchen endete direkt unter den Achseln und die Füße verschwanden fast in den Beinen. Aber sie hat die kleine Maus schön warm gehalten und ich habe mich immer gefreut, dass man so einfach ein Kleidungsstück für so einen kleinen Menschen nähen kann.


Die Hose war mit zur U3, hat uns durch den Sommer begleitet, wenn es mal kühler war, und war bei den ersten Greifversuchen mit dabei. Treu hat sie ihren Dienst getan, ist mitgewachsen und hat mir gezeigt, wie schnell die Kleine wächst.
Heute passt sie nur noch sehr knapp. Damit hat sie uns immerhin gute 6 Monate begleitet. Jetzt heißt es aber bald, vorerst Abschied zu nehmen. Vielleicht kommt die Hose in die Erinnerungskiste für die Kleine. Denn Erinnerungen verknüpfen zumindest wir als Eltern einige damit.

Beim Durchsehen potentieller Bilder für diesen Beitrag kam es in mir hoch. Dieses Gefühl, etwas verloren zu haben. Die Zeit nicht intensiv genug aufgesaugt zu haben. Erinnerungen nicht fest genug halten zu können. So sehr man versucht, die Anfangszeit mit seinem Baby festzuhalten, so wichtig ist es wohl auch loszulassen. Im Augenblick zu leben und sich auf die Zukunft zu freuen. Diese Zeit hat mich verändert.
Nie hätte ich mir diese bedingungslose Liebe vorstellen können, die man empfindet, wenn man Mutter ist. Der Rückblick auf die hinter uns liegende Zeit erfüllt mich mit Dankbarkeit und Wehmut, die letzten Endes wohl nur Ausdruck einer tief empfundenen Liebe ist.

0 Kommentar
0

Weiterlesen

Kommentar hinterlassen

*Durch die Nutzung dieses Formulars, erklärst du dich mit der Speicherung und Verarbeitung deiner Daten durch diese Website einverstanden.

Datenschutz ist wichtig. EinfachFamilie.net verwendet Cookies, wenn du dieses Blog weiter nutzt, stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Akzeptieren Weitere Informationen

Um die Erfassung durch Google Analytics innerhalb dieser Website zukünftig zu verhindern, können Sie sich hier austragen. Hier klicken um dich auszutragen.