[Fitness] Warum Neujahrsvorsätze doof sind

Dieses Jahr wird alles anders!, Am 01.01. starte ich mit XY. Zu Weihnachten und Sylvester lasse ich es mir noch einmal richtig gut gehen. Danach wird durchgestartet.
So oder so ähnlich ist sicher schon der ein oder andere in Bezug auf Sport und Abnehmen in das neue Jahr gestartet. Voller Tatendrang, nur um dann nach einer mehr oder weniger langen Sequenz des Dranbleibens doch in alte Muster zu verfallen. So ist das (oft) mit den Neujahresvorsätzen.
Ich finde sie daher eher doof. Der Januar ist ein Monat wie jeder andere, also warum warten und nicht sofort durchstarten?

1. Motivation

Als ich eine Weile nach der Geburt ein Bild aus dem Fitnessstudio gepostet habe, bekam ich einen Kommentar: „Deine Motivation hätte ich gerne“ Und ja, ich denke, Motivation ist DER Schlüssel zum Erfolg und sie fordert auch mir manchmal Disziplin und eine starken Willen ab. Denn mit Kind, Ehemann und Haushalt ist Sport nicht immer Prioriät Nummer eins.
Neben diesen Tipps wie man den inneren Schweinehund besiegt, ist die Routine bei mir ein entscheidender Faktor. Diese nach der Geburt wieder zu finden, war nicht ganz leicht. Es bedeutet deutlich mehr Absprache mit meinem Mann und mit Baby fällt auch mal ein geplantes Training ins Wasser. Trotzdem ist mir der Sport so wichtig, dass er als eigenständiger Punkt auf der To-Do-Liste steht und nicht von Haushalt, Lesen, Nähen oder was mir sonst noch Spaß macht, verdrängt wird. Nicht denken, machen lautet meine Devise, auch wenn ich mal keine Lust habe.

2. Vorbilder

Hand in Hand mit Motivation gehen für mich Vorbilder, denn sie motivieren. Instagram finde ich hierfür super. Klar muss man realistisch sein und wissen, dass in vielen Fotos eine Menge Fake steckt. Mich motiviert es trotzdem! Genauso können es aber auch Freunde sein, die einen mitziehen oder deren Motivation einen als Vorbild dient.

3. Kalorien zählen

Ich weiß – ein kontroverses Thema und nervig noch dazu. Viele halten nichts davon, andere schwören darauf. Vorweg: Man muss keine Kalorien zählen, um abzunehmen. Man braucht nur ein Kaloriendefizit am Ende des Tages und das nicht nur an einem, sondern an mehrern Tagen die Woche. Wenn man das ohne Zählen erreicht – super. Denn das Tracken seiner Lebensmittel schränkt im Alltag doch extrem ein. Ich würde trotzdem empfehlen über einen Zeitraum von ein bis zwei Wochen zu zählen. Und zwar genau und umfassend. Danach hat mein ein sehr gutes Gefühl für die Kaloriendichte von Lebensmittel, ist sich bewusst, wie oft man „mal eben einen Keks“, „ein kleines Stück Schokolade“, „nur eine Handvoll Chips“ isst und vor allem, wie viele Kalorien diese beinhalten und dass sie in Summe gegebenenfalls eine ganze Mahlzeit ausmachen. Du isst gesund, machst Sport und nimmst nicht ab? Vielleicht liegt es an diesen Kleinigkeiten nebenher. Werden die dann noch mit dem gesunden Smoothie runtergespühlt kann hier sehr gut der Hase im Pfeffer begraben liegen.
Will man Muskeln aufbauen, funktioniert das fast auch nur mit einem Kalorienüberschuss. Auch den zu erreichen kann schwer sein, wenn man ein gutes Sättigungsgefühl hat und eben nicht einfach so zu viel isst.
Mir hilft grobes Tracken definitiv, wenn ich ein bestimmtes Ziel vor Augen habe. Genauso wie man im Training am Ball bleibt, tut man es auch bei der Ernährung.

4. Alltagsbewegung

Ganz früher gehörte ich zu den Mädels die vier Mal die Woche im Fitnessstudio auf dem Crosstrainer standen. Heute wärme ich mich dort maximal auf oder mache eine kurze HIIT-Einheit. Kardiotraining ist mir wichtig, aber ich gehe lieber laufen. Um den Kalorienbedarf (und damit die Menge, die man täglich essen kann) zu erhöhen, halte ich mittlerweile Bewegung im Alltag für viel wichtiger. Also Wege nach Möglichkeit zu Fuß oder mit dem Fahrrad erledigen. Die Treppe statt des Aufzugs nehmen. Banal, ich weiß, aber in Summe und täglich deutlich effektiver als langweilige Stunden auf dem Crosstrainer. Mit dem Telefon laufe ich so beispielsweise fast immer durch die Wohnung.

5. Ich zog los, die Welt zu retten und kam mit neuen Schuhen heim

Egal, ob neue Schuhe oder Sportbekleidung. Ab und an ein neues Teil (auch wenn es streng genommen nicht nötig ist), motivieren. Ich denke, da geht es vielen Frauen so. Denn wenn man sich ein neues Teil kauft, will man es auch tragen. Ich brauche da nicht mal Markenartikel. (Ausnahme sind Schuhe – schon aus Qualitätsgründen) Mir reichen H&M oder Tchibo komplett aus, solange ich die Sachen schön finde. Wer aber lieber Nike, Adidas, Puma etc. kauft, dem sei das natürlich auch gegönnt. Kauft die Stücke so, dass sie sitzen, aber mit etwas Fleiß noch ein bisschen besser passen würde. Doppelter Ansporn Gas zu geben.

6. Sozialer Druck

Klingt jetzt komisch, aber sich Druck zu machen, kann helfen. Oft erlebt man im Büro oder der direkten Umwelt eher weniger Unterstützung beim Abnehmziel. Macht man eine Diät und isst im Büro nicht jeden Tag das Stück Kuchen, den Keks oder was sonst gerade herumgereicht wird, mit kommen schnell schiefe Blicke oder sogar dumme Kommentare. Das kann man kaum ändern, nur drüber stehen. Dem Stand zu halten, und sein Ziel trotzdem zu verfolgen ist die Kunst. Sein Umfeld kann man sich nur bedingt aussuchen, aber je mehr man Sport und eine gesunde Lebensweise in den Alltag integriert, desto mehr Menschen lernt man kennen, die ebenso ticken. Das kann im Fitnessstudio oder dem Sportverein sein, oder die #fitfam auf Instagram. Lass dich von diesen Leuten pushen und mitziehen. Vergleiche dich mit ihnen und nicht mit denen, die aus welchen Gründen auch immer, deine Entscheidung belächeln. Sind bekannte Gesichter im Fitnessstudio trainiert man auf jeden Fall etwas konzentrierter, als ganz alleine, wenn keiner mitbekommt, dass man einen Satz ausfallen lässt, weil man eigentlich nicht so richtig Lust hat. Wer allerdings mitspielen sollte, ist der eigene Partner. Ich halte es für sehr schwer langfristig glücklich zu sein, wenn die Interessen in diesem Punkt auseinanderdriften, da es sich schließlich um eine Lebenseinstellung handelt.

7. Kontrolle

Erfasse regelmäßig, aber nicht täglich deine Fortschritte. Die Waage ist dabei nur bedingt hilfreich. Klar, wenn du übergewichtig bist, ist jedes verlorene Kilo super und ein guter Ansporn. Bewegt man sich aber im Normalbereich, können hormonelle Schwankungen, salziges Essen und zig andere Faktoren das Gewicht stark beeinflussen. Zudem wiegt man oft mehr, wenn man adäquates Krafttraining macht. Lass eher den Blick in den Spiegel und das Maßband den Weg vorgeben. Nimm Umfänge von Brust, Tailie, Hüfte und eventuell den Oberschenkeln und vergleiche diese monatlich. Dein Gewicht kannst du dann als nettes Nice-to-Know erfassen.

8. Fortschritte

Mich motiviert wenig so sehr, wie Fortschritte zu sehen. Nach der Geburt habe ich nicht eine Liegestütz geschafft, mittlerweile sind es wieder gut 25 am Stück bevor mein innerer Schweinehund sagt, dass er keine Lust mehr hat. Auch der erste Klimmzug oder die ersten 10 km unter einer Stunde motivieren. Man sieht, dass es voran geht, dass man etwas richtig macht und dass man selbst dafür verantwortlich ist. Eine bessere Bestätigung kann es für mich nicht geben.

9. Wissen ist Macht

Eins der größten Probleme, die mein Mann und ich anfangs hatten, war unsere imenses Unwissen. Als wir uns im Alter von 21 und 24 Jahren im Fitnessstudio anmeldeten, gab uns der Trainer dort den gleichen (!) Plan. Nicht zwingend schlecht, aber ich wollte etwas definierter werden und mein Mann Muskeln aufbauen. Also in dieser Beziehung totaler Bockmist. Geholfen hat es uns für den Sport zu begeistern. Wir zogen uns gegenseitig zum Sport und sind drangeblieben, doch effektiv oder effizient war das Training eigentlich nicht. Heutzutage gibt es unzählige gute Fitnessblogs im Internet und gute Literatur zu dem Thema. Lest euch ein,sprecht mit Leuten, die wirklich Ahnung habe. Das benötigte Wissen baut man nicht von heute auf morgen auf, doch wenn einen das Thema interessiert, wird es immer besser und man kann einschätzen, was sinnvoll ist und was nicht.


Während ich das tippe, genieße ich eine heiße Schokolade und ein Stück Christstollen. Ja, auch das gehört für mich zu einem erfüllten Leben. Wenn der Rest passt, ist das auch kein Problem. Kein Mensch wird all diese Grundsätze über Nacht verinnerlichen und umsetzen und deshalb sind Vorsätze Mist. Warum sollte die Sylvesternacht in diesem Punkt anders sein? Wenn ihr euch verändern wollt, fangt heute damit an. Habt kein schlechtes Gewissen wegen des Weihnachtsessens, aber genießt es bewusst und nicht zügellos nur weil ja bald „alles anders“ wird. Wird es in den meisten Fällen nicht.

Einen guten Start ins Jahr 2018 wünsche ich euch!

Ein Gedanke zu “[Fitness] Warum Neujahrsvorsätze doof sind

Kommentar verfassen